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Freitag, 14. Mai 2010

Wieso schreibt writingwoman / bauerngartenfee / mamaimjob jetzt noch über Fußball? Und wieso dieser seltsame Domainname? In diesem Posting, das mitnichten von 2010 ist, sondern von 2014 (und nur vordatiert wurde, damit es als erster Eintrag im Blog steht), werdet ihr alles Wissenwerte darüber erfahren. Wenn ihr noch mehr wissen wollt, könnt ihr eure Fragen auch einfach in der Kommentarsektion loswerden.

Fangen wir mit der einfacheren Frage an:

Weshalb diese lange, komplizierte URL?

Es handelt sich um ein Zitat aus einem Song von Thees Uhlmann. Kennt ihr nicht? Das war der Frontmann der Hamburger Band Tomte, bis er sich entschloss, alleine weiterzumachen. Und wenn ihr Tomte auch nicht kennt, dann habt ihr aber zumindest von den Toten Hosen gehört. Und auf deren “Bergfest” der Krach der Republik-Tour im Juni 2013 im Kölner Rhein-Energie-Stadion, hörte ich Thees Uhlmann zum ersten Mal. Und der Refrain seines Songs 17 Worte ließ mich aufhorchen:

Wir singen, um uns zu erinnern
Meine Wahrheit in 17 Worten
Ich hab ein Kind zu erzieh’n
Dir einen Brief zu schreiben
Und ein Fußballteam* zu supporten

*Thees Uhlmann ist Fan vom FC St. Pauli. “Das hier ist Fußball” ist das Lied, das er für den Verein geschrieben hat.

“Jau, hab ich auch!”, dachte ich. Aber das war nicht immer so. Eigentlich noch gar nicht sooo lange. Im Grunde, seit ich die Dauerkarte meines Mannes übernommen hatte. In der Zweitligasaison langen die Spiele oft außerhalb des Wochenendes und da war er halt nicht in Berlin. Die Kinder standen damals schon in der Ostkurve. Natürlich auch mit Dauerkarte.

(Wenn euch die URL zu lang ist, könnt ihr auch einfach www.fussball-fee.de in die Browserzeile tippen)

Irgendwann kam von der Jüngsten zum ersten Mal die Frage, ob sie zu einem Auswärtsspiel fahren dürfe. Also schwang sich “Muddan”, wie ich von ihr liebevoll genannt werde, ins Auto und karrte sie und ihre Geschwister durch die Republik. Die Fragen und Fahrten häuften sich, und dann saß ich eines Tages um 3:00 Uhr früh in Berlin (und zwar in dem Berlin im US-Bundesstaat New Jersey) im Nachthemd an dem klapprigen Rechner in der Hotellobby und versuchte, genügend Tickets für das Spiel gegen St. Pauli zu ergattern. Spätestens dann war klar: In der nächsten Saison musste ein Auswärtsabo her. Was heißt eins? Vier! Drei Kinder und ich.

Ich fuhr nämlich schon lange nicht mehr nur als Mama-Langstreckentaxi mit, sondern hatte tatsächlich mein Herz an die Alte Dame Hertha verloren. Die Atmosphäre im Gästeblock bzw. in der Ostkurve, in der ich inzwischen auch hin und wieder auftauche, zieht mich einfach total in ihren Bann.

Dabei war es genau das, was mich früher gegruselt hatte. Ich erinnere mich an eine Saison, da war Blau-Weiß 90 in der Ersten Liga. Erinnert sich noch jemand an die? Ich ging mit meinem Mann und einem Kumpel ins Olympiastadion (da war es noch nicht umgebaut), und das Gebrüll und die Gesänge aus der Kurve verursachte mir Gänsehaut. Allerdings keine positive wie heute. Stattdessen musste ich die ganze Zeit ans Dritte Reich denken (vielleicht hatte die Architektur des Stadions auch ihren Anteil daran). Mir wurde die Macht klar, die eine große Gruppe von Leuten hat, und der man sich nur schwierig entziehen kann. Die dann alle “Ja!” brüllen, wenn jemand fragt: “Wollt ihr den totalen Krieg?”

Wisst ihr, was ich meine? Mir war das jedenfalls total unheimlich. Aber das war irgendwann in den 90ern und da hatte ich gar keine Beziehung zu all dem. Mehr zu meinem fußballrelevanten Vorleben könnt ihr hinter dem “weiterlesen” Button lesen.

Warum nun also dieses Fußballblog?

Weil meine Begeisterung (oder der Frust, je nachdem) ein Ventil braucht. Natürlich kann ich im Stadion jubeln oder meckern, aber vermutlich ist es eine Autorenkrankheit, das auch schriftlich verarbeiten zu wollen. Und da meine Verbandelung mit Hertha BSC aus diversen Gründen immer enger wird, bin ich froh, dass ich diese Plattform und die Möglichkeit habe, um mich auszutoben und euch hoffentlich auch möglichst lebendig daran teilhaben zu lassen. Und wer weiß, was sich noch so aus diesem Blog entwickelt. Ich habe jedenfalls einiges vor und hoffe, ihr begleitet mich dabei.

Wer hier allerdings nüchterne Spielberichte erwartet, wird enttäuscht sein. Das ist nicht meins. Ich bin kein Fußballexperte, ich bin Fan. Und reine Spielberichte - das posten schon genügend andere, die weniger blind sind und die einzelnen Spieler auf dem Feld besser erkennen ;-) Hier gibt es mehr so Rund-ums-Spiel-Erlebnis-Reiseberichts-Emotions-Schilderungen.

Und für den Fall, dass Manons HSV-Blog mitsamt meinem Fußball-Gastbeitrag mal aus dem Internet verschwinden sollte, habe ich hier (mit googlefreundlichem Blockquote) den Text für mich und euch konserviert. Am 17. Dezember 2011 schrieb ich dort zum Thema Petra & ihr fußballerisches Vorleben nämlich folgendes:

Liebe Manon, danke, dass ich bei dir zu Gast sein darf. Allerdings habe ich zunächst laut gelacht, als ich las, dass mein Blogwichtelbeitrag ausgerechnet in deinem HSV-Blog erscheinen sollte. Und zwar aus zwei Gründen: in meiner Familie sind vier von sechs Mitgliedern leidenschaftliche Herthafans, die z.T. der Ansicht sind, es wäre mal Zeit, dass endlich auch der HSV absteigt (ich finde es allerdings gut, dass es einen Verein gibt, der seit dem Start der Bundesliga dabei ist, und das darf ruhig so bleiben). Außerdem verstehe ich zwar mehr von Fußball als meine Comic-Heldin PABBLES, habe aber insgesamt damit nicht so wahnsinnig viel am Hut, obwohl du mich in deinem letzten Posting als Hertha-Fan angekündigt hast. Ich bin also eher kein Fan. Oder doch?

PabblesFußball_fertig

Ich nahm also dieses Blogwichtelgeschenk zum Anlass mal grundsätzlich über mein Verhältnis zum Fußball nachzudenken. Was verbinde ich damit?

Zunächst einmal Erinnerungen, die sich von denen meines Mannes extrem unterscheiden. Während er sich sogar noch an Spielergebnisse aus einer Zeit erinnern kann, wo ich noch nicht mal denken konnte (er ist 5 Jahre älter als ich), kenne ich nicht mal die Namen aller aktuellen Herthaspieler. Dafür erinnere ich mich daran, wie es war, als mein Vater mich und ein Mädchen aus der Nachbarschaft zu Hertha ins Olympiastadion mitgenommen hat, als ich etwa acht Jahre alt war. Da muss wohl ein Spiel stattgefunden haben, aber ich weiß nur noch, dass
ich mich mit Conni im Oberring darüber unterhalten habe, wie lustig es wäre, meinem Wellensittich eine Herthafahne ans Bein zu binden und ihn damit durchs Stadion flattern zu lassen. Ähm, ja.

Fußball mit der Muttermilch? Nicht bei mir.

Bei den Schüler-Länderspielen gegen England, zu denen wir von der Schule verdonnert wurden, war ich grundsätzlich gegen Deutschland, weil Deutschland ja schon im Geschichtsunterricht nicht so gut weggekommen war. Für England war ich allerdings auch nicht.

Noch frühere Erinnerungen zeigen meinen Opi, mit dem Ohr am Radio klebend, während wir samstagnachmittags Kaffee trinken wollten. Um die anderen nicht zu stören, wurde das Radio leise gestellt. Leider durfte niemand etwas sagen, weil er die Fußballergebnisse und -reportagen hören wollte. Wenn doch, gab es ein energisches Wedeln mit der Hand und ein scharfes “Pssst!”. Gar nicht gut kam es auch, die Ergebnisse vorher zu erwähnen …

Hin und wieder trat ich mal selber gegen den Ball. Mit der Familie im Urlaub, oder einmal, als in unserem Freundeskreis Männer gegen Frauen spielten. Unser Torwart war ein ausgeliehener Mann (mit Langhaarperücke, damit klar war, wohin er gehörte *g*), und trotzdem schafften wir Frauen es nicht, die versprochene Kiste Champagner zu gewinnen. Wir hätten dazu nur ein einziges Tor schießen müssen. Shit happens, aber lustig war es trotzdem.

Lange Zeit bin ich auch zu den Fußballspielen meines (damals noch nicht) Mannes mitgegangen. Nicht wegen des Fußballs, sondern wegen meines Mannes. Später beschränkte sich meine Beziehung zu Fußball darauf, dass ich mich jeden Samstag aufs neue wunderte, dass da ja die Sportschau kam. Und zwar immer pünktlich um – ja, wann eigentlich?

Verliebt in die WM-Atmosphäre

Dann war es plötzlich 2006. Da war es leicht, zum Fußballfan zu werden. Zunächst ging ich jedoch (alleine!) zum Public Viewing zum Eröffnungsspiel Deutschland gegen Costa Rica. Natürlich mit der Erwartung, Deutschland würde sich wieder bucklig anstellen und sowieso in der Vorrunde rausfliegen. Das 4:2 (ich musste das Ergebnis eben rasch googeln!) hat dann aber meine Einstellung komplett geändert. Und spätestens beim Sieg gegen Ecuador waren auch bei mir aus “den Deutschen” “unsere Jungs” geworden.

Eher als an die Spiele erinnere ich mich jedoch an die Atmosphäre und Anekdoten drum herum. Wie ich nach einem Spiel mit Textine Eva Engelken zu den Klängen einer Argentinischen Band barfuß Unter den Linden tanzte. Wie ich am Abend des Argentinien-Spiels eine Lesung hatte, zu Hause losfahren musste, bevor das Elfmeterschießen begann und nur anhand der abgefeuerten Böller erkannte, dass Deutschland gewonnen hatte. Wie lähmend das Entsetzen und die Fassungslosigkeit aller Public Viewer im Zollpackhof war, als Deutschland gegen Italien verloren hatte. Wie ich meinen Kindern versprach, am nächsten Morgen mit ihnen auf der Fanmeile unsere Jungs zu bejubeln, obwohl der Abend seeehr lang gewesen war. Ich habe mein Versprechen gehalten und die Stimmung sehr genossen. Manchmal schaue ich noch das Sommermärchen auf DVD.

Für wen schlägt mein Fußballherz? Hab ich überhaupt eins?

Dann kam der Bundesliga-Alltag zurück, und unsere Familie startete eine Online-Tipprunde. Weil Tippen aber doof ist, wenn man nicht für jemanden jubelt, habe ich mich zum ersten Mal ernsthaft gefragt, für wen ich eigentlich bin. Gegen die Bayern, so viel war klar. Das ist ja auch einfach. Aber dann? Mainz 05? Das wäre aber nur wegen Kloppo gewesen, das fand ich auch irgendwie unprofessionell. Dortmund hat so schöne schwarz-gelbe Ringel, aber meine Familie hasst das Team (wieso nur?) und ich wollte ja keinen Stress. In meiner Ratlosigkeit habe ich
meine Twitter-Follower nach Argumenten für eine Mannschaft gefragt, aber das war auch nicht hilfreich; da war die Mehrheit für Köln. Hätte ich als Baby schon einen Schnuller und ein Lätzchen mit Mannschaftslogo gehabt, wäre es wohl einfacher gewesen zu fühlen, für wen mein Herz schlägt, aber bis auf besagten Opi gab es damals keine echte Fan-Leidenschaft in meiner Familie.

Nie wieder Zweite Liga!

Ich habe dann aufgehört, mir darüber Gedanken zu machen – bis Hertha in die Zweite Liga abstieg. Das fand ich nicht lustig. Berlin ohne Erstligisten, das ging ja gar nicht. Und dass der Hertha BSC heißen musste, und nicht Union, war auch klar. Natürlich war die Abstiegssaison die erste gewesen, in der wir zwei Dauerkarten besaßen, nachdem die Saison vorher so gut gelaufen war. Aber wir haben aus Trotz sogar auf drei Dauerkarten aufgestockt, als die Zweitligasaison anbrach. Auch ich war dann hin und wieder im Stadion und habe die Hertha zum Wiederaufstieg gebrüllt und mit dem Verein gezittert. Und die Frage für wen ich die Daumen drücken soll, stellte sich gar nicht mehr.

Vielleicht bin ich ja doch zum Hertha-Fan geworden. Still und heimlich. Auf jeden Fall freue ich mich immer an der Begeisterung meiner Familie für die Blau-Weißen und das ist mehr, als ich von mir fußballmäßig erwartet hätte.

Und dem HSV drücke ich weiterhin die Daumen für den Verbleib in der ersten Liga. Auf einem Platz hinter Hertha.

# Petra A. Bauer am 14. Mai 2010 um 17:16 Uhr
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