Das Wunder von Dortmund: Hertha besiegt den BVB! 1 : 2

Samstagmorgen, 5:50 Uhr, der Wecker klingelt und holt mich aus dem Vollkoma. Wenn die Kinder nicht wären, ich wäre in dem Moment wohl liegen geblieben. Ich hab nicht gezählt, wieviel tausend Kilometer ich in 2013 zu Hertha-Auswärtsspielen quer durch die Republik gefahren bin. Und nun ne Klatsche in Dortmund abholen. Ächz. Wieder das andere Ende von Deutschland. Andererseits ist die Borussia mein zweitliebster Bundesligaverein hinter Hertha. Woran sicher Jürgen Klopp die Schuld trägt, ich gebe es ja zu. Und weil ich ja irgendwo schon noch ein Mädchen bin, liebe ich auch die Farben. Schwarz-Gelb, einfach geil. Ok, dann stehe ich halt auf.

Sonntag, 22. Dezember 2013

Grafik

Die “Wand” im Signal-Iduna-Park hatte ne sehr coole Choreo

Wir fahren um zwanzig nach sieben los, wer weiß, wieviel Staus uns auf der A2 erwarten. Aha, genau gar keine. Ups, nach vier Stunden haben wir die Strecke Berlin - Dortmund bewältigt, und dabei bin ich nicht mal besonders schnell gefahren. Geblitzdingst wurde ich trotzdem, weil ich eine doppelte Reihe LKWs überholen musste, vielen Dank auch.

Trotz Futterpause am Dortmunder Stadtrand, waren wir zweieinhalb Stunden vor Anpfiff im Stadion. Viel Zeit um sich auszumalen, wie es ohne Thomas Kraft im Tor wohl laufen würde. Immerhin ist Marius Gersbeck, die Vertretung, gerade mal 18 und hat null Erfahrung. Genau genommen ist es sein Debüt bei Hertha im Tor. Beim Warmmachen beäugten nicht nur wir den “Kleenen” skeptisch, sondern auch Jürgen Klopp stand mitten auf dem Feld und sah, wie geschickt unsere Nummer 35 jeden Ball souverän fing.


Grafik

Vor dem Spiel blieb noch reichlich Zeit, um sich über den Spielausgang Sorgen zu machen. Foto: Michael Bauer


Für den Keeper Marius Gersbeck ging ein Kindheitstraum in Erfüllung. Sonst steht er nämlich als Zuschauer in der Gästekurve (und zu Hause natürlich in der Ostkurve).

Die Dortmunder Südtribüne war lauter als alles, was ich auswärts bisher gehört habe. Aber nicht umsonst ist der Ruf der “Wand” legendär. Wen es interessiert: es gibt eine sehr schöne Dokumentation darüber auf DVD: Wir, die Wand*. Ich hab sie kürzlich im Fernsehen gesehen und weiß nun endlich auch wer “Borsti” ist. Sein Banner kann man ja überall am Spielfeldrand sehen, egal wo der BVB auch spielt.

Jedenfalls haben wir tapfer gegen den Borussengesang angesungen. Dabei hätte ich gerne mehr von der Atmosphäre “drüben” mitbekommen, denn wie gesagt: ich bin ja schon auch BVB-Fan. Und beinahe hätte ich gedacht, dass ich deswegen auch ein Unentschieden gut finden würde. Wobei ein Unentschieden ja bei den gestrigen Rahmenbedingungen eher illusorisch war.

Ich hätte mir jedoch gar keine Gedanken machen müssen, denn spätestens nach 7 Minuten war wieder sehr klar, für wen mein Fußballherz schlägt: Der arme Marius Gersbeck bekam von Reus einen Ball in die Hütte gezimmert und sah bei der Aktion auch gar nicht mal so gut aus. Oje, das gibt ne zweistellige Packung!, dachte sicher nicht nur ich. Aber die Hertha packte mit einem Mal ihren Kämpfergeist aus. Und spätestens, als Ramos den Ausgleich schoss, war auch bei mir keine Rede mehr von “Unentschieden wär eigentlich gut”. Nix da. Wir haben die Chance beim großen BVB zu gewinnen, und wir werden sie nutzen! Schließlich haben wir gegen Bayern 1:0 geführt und hätten dort tatsächlich gewinnen können. Wir sahen auch gegen Leverkusen sehr gut aus. Wieso sollte es also nicht möglich sein, die Borussia einzusacken? Zumal Gersbeck plötzlich supergut hielt, als wollte er seinen Fehler ausradieren. Den BVB unterstützen kann ich ja später wieder. Wenn sie nicht gegen Hertha spielen.

War ich beim 1:1 schon am Quieken, so bin ich beim 2. Tor von Hertha vollends ausgeflippt. Wir führen! In Dortmund! Bei Jürgen Klopp und dem tollen Team! Kurz drauf der Halbzeitpfiff. Wow!

In der zweiten Hälfte ging es dann ziemlich zur Sache und ich habe garantiert einen Satz graue Haare angelegt. Das Hertha-Gehäuse direkt vor der Nase, konnte ich gar nicht anders, als meine Umgebung mit dem Torverhinderungs-Voodoo zu nerven. Immer, wenn ein direkter Angriff auf unseren Kasten begann ging es los: “Nein, nein. Kein Tor. Keeiin Tor! Neinnein! NEIN!” Und dann immer das Aufatmen.

Der absolute Knaller war aber die Nachspielzeit. Vier Minuten, ok. Wie ein weichgekochtes Ei, aber wir wollten uns nicht weichkochen lassen. Anscheinend wollte sich Schiedsrichter Gagelmann dann aber doch dafür rächen, dass ihn einige Trottel aus unserer Kurve schon vor Spielbeginn, als er mit den anderen drei Schiris im Anzug übers Feld spazierte, mit dem F-Wort bedachten, und ich meine das mit den fünf Buchstaben. Oder er hatte auf Untentschieden gewettet, jedenfalls hatten wir alle den Eindruck, er wollte erst abpfeifen, wenn der BVB doch noch den Ausgleich schafft.

Aber die Hertha wehrte sich und ich war mit meinem Voodoo schon fast am Ende, als endlich, endlich der Abpfiff kam. Das Unfassbare war geschehen: Hertha hatte den BVB besiegt!

Yeeeeeaaaaahhhh!

GrafikWas für ein geiles, unterhaltsames, spannendes Spiel! Und wie süß, als Marius Gersbeck über den Zaun in die Gästekurve kletterte, sich das Megaphon von Heidi (unserem Capo) schnappte und lautstark mitfeierte. Großartige Leistung, Kleener! Applaus, Applaus, Applaus! Leider mit der iPhone4-Kamera kaum zu erkennen, aber ich hab es trotzdem mal hier dazugetan.


Grafik

Die Herthaner bedanken sich bei ihren Fans und umgekehrt

Die Pressekonferenz


Heute Morgen haben wir dann die Pressekonferenz geschaut. Jos Luhukay (danke für alles übrigens!) war selbstverständlich happy und stolz darauf, was seine Jungs alles zustande gebracht haben. Und dann Jürgen Klopp. So habe ich ihn noch nie gesehen. Ein Häufchen Elend sieht dagegen nach Extasy-Trip aus. Da tut es einem ja fast schon leid, gewonnen zu haben. Aber nur fast ;-)

Jedenfalls war es nicht so gedacht, dass der gegnerische Trainer beinahe zum “Träner” wird. Jetzt ist ja auch erstmal Winterpause. Danach wird es auch für Dortmund wieder besser.

Kopf hoch, Kloppo! Das wird wieder. Und dich kann sowieso niemand feuern, sonst ist die Hälfte der BVB-Fans nämlich auch weg ;-)

Und für alle, die die PK nicht gesehen haben, habe ich sie hier nochmal für euch:

 

Pressekonferenz nach dem Spiel am 21.12.2013 mit Jos Luhukay und Jürgen Klopp.

Grafik

Danke, BVB! Wir kommen gerne wieder. Die BVB-Fans waren auch nach dem Spiel echt nett zu uns. So soll Fußball sein - spannend und fair! Das war ein tolles Weihnachtsgeschenk :-)

Und unseren Jungs von der Hertha wünsche ich natürlich auch eine schöne Winterpause. Euch, euren Familien, meinen Lesern und allen Fußballfans schöne Weihnachten und einen guten Rutsch in ein geiles 2014!

Alles Liebe

Grafik

* Affiliate Link


 

 

 

Auf feindlichem Gebiet

Mit Herthaschal bei den Toten Hosen in Düsseldorf 2013Seit dem Skandal-Relegationsspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC lebt man ja ein bisschen gefährlich, wenn man Hertha UND Die Toten Hosen mag. Man (in diesem Falle: ich) ist immer irgendwie auf feindlichem Gebiet.

Montag, 21. Oktober 2013

Das fängt in der eigenen Familie an. Um Muttertag 2013 herum waren wir in Köln. Nicht wegen Muttertag, sondern weil Hertha beim FC spielte und wir vorher ein paar Tage drangehangen haben, mit unseren Hertha-Fan-Kindern (was drei von vier sind, plus Anhängsel von K4 minus K3, der war auf ner Regatta). Und weil wir so viel Zeit hatten, machten wir einen Ausflug.


K4: Mutter, wo fahren wir denn hin?

Mutter: Auf feindliches Gebiet.

K4: Ey, das ist nicht euer Ernst! Ihr verschleppt uns doch wohl nicht nach DÜSSELDORF?!

Mutter, diabolisch grinsend: Oooh doch!

K4 plus Anhängsel: Lasst uns bitte an der nächsten Ampel raus! Da gehen wir nicht hin! Scheiß Fortuna!

Anhängsel: Scheiß Tote Hosen!

Der Mann (denkt): Scheiß Tote Hosen!

Mutter: Könnt ihr das bitte mal trennen? Was könnnen denn die Hosen für ein paar Durchgeknallte, die den Schlusspfiff nicht abwarten können?

Anhängsel: Wer für die Toten Hosen ist, ist auch für Fortuna. (was er meint: Wer für die Toten Hosen ist, frisst auch kleine Kinder)

Der Mann (von heute aus betrachtet prophetisch): Die steigen sowieso wieder ab.

Mutter: Warum regt ihr euch dann auf? Ich fand das auch scheiße, aber dafür konnten weder Die Toten Hosen noch die Stadt was.

Es folgt eine längere, durcheinandergerufene “Erklärung”, weshalb sowohl die Hosen als auch Düsseldorf sehr wohl etwas dafür können würden. Einzelheiten erspare ich euch.

Mutter, mit Totschlagargument: Ich finde es toll, dass die Hosen ihre Tour-Sponsorengelder zur Rettung von Fortuna gestiftet haben. Es ist immer toll, wenn Fans zu ihrem Verein halten, egal, wer das ist. Denkt doch mal dran, wie die Union Fans mit ihrer eigenen Hände Arbeit die “Alte Försterei” in ein anständiges Stadion verwandelt haben. Das nenne ich Einsatz! Und wahres Fan-Sein.

Kollektives Schnaufen von der Rückbank: Scheiß Union!

* * *

Kürzlich war ich wieder in Düsseldorf. auf dem Abschlusskonzert der Hosen zur Krach der Republik-Tour. Mit Herthaschal. Ich sag euch, das ist so, als ob man mit Kind oder Hund spazieren geht. Alle naselang wird man angesprochen und angegrapscht.

Nie enden wollender Gesprächsstoff


Auf dem Konzert I:

Fortuna-Fan in voller Montur (FFivM) zu anderem FFivM: Kuck mal, die hat ernsthaft einen Herthaschal um.

Anderer FFivM: Die traut sich ja was!

FFivM zu mir: Du traust dich ja was!

Icke: Wat denn?

FFivM: Na, hier einfach so mit Herthaschal auftauchen. Das geht doch nicht.

Icke: Ich hab ein Fußballteam zu supporten. Genau wie ihr Fortuna unterstützt.

FFivM: Aber doch nicht Hertha!

Icke: Ick bin Berlinerin, ich darf das!

FFivM: Das war aber echt scheiße, was ihr damals* gemacht habt.

Icke: Halloooo? WER hat denn den Platz zwei Minuten vor Ende gestürmt? Das waren NICHT die Herthaner!

FFivM: Das waren WOHL auch die Herthaner!

Icke: Wir** haben aber nicht angefangen!

FFivM: Das war doch aber mal der Hammer, was Rehhagel erzählt hat.

Icke: Dafür kann ick aber nich!

FFivM: Aber du stehst mit nem Herthaschal hier!


Jetzt erkenne ich den tieferen Sinn des Ausspruchs: Einer für alle, alle für einen. Jedenfalls den ersten Teil davon. Im Grunde hab ich eben sowieso den falschen Spruch zitiert. War wohl eher so: Mitgefangen, mitgehangen. Ich hab die Haue für Hertha abbekommen. Obwohl Hertha ja nun echt nix dafür ... naja, ich denke meine Meinung zu dem Spiel ist klar, wa?

*mit “damals ist das o.g. Relegationsspiel gemeint
** bei Angriff wird solidarisch zum “wir” geswitcht


Auf dem Konzert II:


Frau aus Olpe, ohne Fanmontur (FaOoF), mit Blick auf meinen Schal: Ey, cool, Hertha! Kommst du aus Berlin?

Icke: Ja. Gestern angekommen.

FaOoF: Wow, bist du extra für das Konzert hierhergefahren?

Icke: Ja, bin ich.

FaOoF: Das ist ja suuupi!

Icke: Aber diesmal bleib ich ne Weile hier. Im Juni in Köln bin ich morgens hin und nach dem Konzert zurück. War 26 Stunden am Stück auf Achse.

FaOoF: Wahnsinn! Das ist ja suuupi!

Icke: Jetzt kommen sie gleich. Es läuft American Idiot. Bald kommt noch Song 2 und Blitzkrieg Bop. Und wenn sie dann You’ll never Walk alone vom Band gespielt haben, kommen die Hosen auf die Bühne und legen mit 3 Kreuze, dass wir hier sind los.

FaOoF: Echt? Das ist ja supi!


Auf dem Düsseldorfer Hauptbahnhof, nachts um eins:

Frau in DTH-Montur stürmt die Treppe rauf, starrt mich an, rennt direkt auf mich zu,

springt mir an die Kehle

rupft mir am Schal und starrt drauf, als hätte sie sowas noch nie gesehen.


Frau in DTH-Montur (FiDM): Nääää, nich dein Ärnst, oda? Hääääärthaa? Näääää!

Icke: Doch!

FiDM: Näääääää! Dat jeht doch nisch!

Icke: Doch geht das. Siehste ja.

FiDM: Aber doch nisch als Hooooosen-Fan!

Icke: Doch. Ich liebe halt beide.

FiDM: Nääääää, dat jeht doch nisch!

(Lässt meinen Schal los, geht kopfschüttelnd ab.)


Auf dem Düsseldorfer Hauptbahnhof, nachts um Viertel zwei, was für Nichtberliner Viertel nach eins ist:

Typ, vielleicht Ende Zwanzig, kommt die Treppen hoch, guckt sich suchend um.


Typ Ende Zwanzig (TEZ): Ey, cool, du bist Hertha-Fan? Warste auch bei den Hosen? Warteste auch aufn Zuch? Kommt überhaupt noch einer?

Icke: Das versuche ich auch grad rauszufinden.

TEZ: Kommst du aus Berlin? Musst du noch zurück?

Icke: Ja. Nee. Ich schlaf bei ner Freundin. Fahre erst Montag zurück.

TEZ: Berlin, krass, ey.  Wo musst’n jetzt hin?

Icke: Düsseldorf Rath. Das müsste die Bahn da Richtung Essen sein. Aber die kommt erst um halb 2. Wo musst du hin?

TEZ: Irgendwo in die Pampa. Ich penn da bei nem Freund.

Icke: Ach, du kommst auch nicht aus der Gegend?

TEZ: Nee, ich komm aus so nem Scheißkaff. Und kenn mich hier überhaupt nicht aus. Sag mal, wie alt bist du?

Icke: denkt: ??? sagt: Hmsbsmfl.

TEZ: Echt? Wahnsinnn, hätte dich für Gmzmbfm gehalten (verschätzt sich locker um 15 Jahre nach unten). So mit Chucks und Kapu, find ich echt cool ey. Hätt ich nicht gedacht für ne Hmsbsmfl-jährige. Bist du sicher, dass du wirklich so alt bist? Krass, ey.


Berlin, Olympiastadion, 19.10.2013, Hertha BSC gegen Mönchengladbach. Ich mit drei Herthaschals und DTH-Hoodie, denn es ist kalt.


Frau an der Einlasskontrolle (FadE): Neee, dit is jetz nich dein Ernst, oda?

Icke: Wat denn?

FadE: Na der Hosen-Pulli! Dit jeht ja jaaa nich. So lass ick dir nich ins Stadion.

Icke: Menno, ich liebe eben beide, das ist Schicksal.

FadE: Aber doch nich die Hooosen! Dit is Fortuuuna! Dit jeht jaaaa nich!


Wie ich schon sagte: Mitgefangen, mitgehangen. Hosen sind Fortuna, ich bin schuld am Platzsturm. Oder - weil ich grad beim Sprücheklopfen bin: Wie man es macht, macht man es verkehrt. Feindliches Gebiet ist überall.

So what. Und weil kürzlich jemand von Andrea Jürgens sprach:
Und daaaaaruuuum liiiebe ich ooiiich baaaaaiiiidäääää.
Bis zum bitteren Ende.

DTH, Düsseldorf, Esprit Arena IMG 9459 from Petra A. Bauer on Vimeo.

Blau-weiße Grüße

Petra
Flattr this

Becherparade auf unserem Küchenschrank: Die Toten Hosen und Hertha BSC