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Hertha U23 vs. Lok Leipzig im Olympia-Amateurstadion

Abstiegskampf heute im Olympiastadion - aber im kleinen Amateurstadion mit der U23 von Hertha. Gegner war Lok Leipzig. Wir sprechen hier von der Regionalliga Nordost, und bis vor Kurzem hat kein Hahn nach diesem Spiel gekräht. Da war aber auch noch nicht klar, dass heute vier Mannschaften gegen den Abstieg spielen: Hertha BSC II, Lokomotive Leipzig, Babelsberg und ZFC Meuselwitz (bitte, kann mir jemand den Urspung dieses Ortsnamens erläutern, damit ich bei der Nennung nicht immer in pubertäres Gekicher ausbreche?).

Samstag, 24. Mai 2014

Hertha U23 vs Lok Leipzig am 24.5.2014 im Olympia-Amateurstadion

Foto: Petra A. Bauer

Leipzig musste für den Klassenerhalt gewinnen (ein Remis würde nicht reichen), und bei einer Lok-Niederlage, wären alle drei anderen Teams “safe”, wie es so schon neudeutsch heißt.

Es versprach also ein Hammerspiel zu werden, spannend bis zum geht-nicht-mehr. Aber erstmal musste ich hinkommen.

Normalerweise kommt man zum Amateurstadion ganz gut von der Hanns-Braun-Straße hin, wo es auch zur Hertha-Geschaftsstelle geht. Ich parkte auf dem Olympischen Platz und war froh, dass das endlich mal problemlos ging. Wenn die Hertha-Profis spielen, ist da nämlich nicht dran zu denken. Da ich noch nie im Amateurstadion war, lief ich erstmal Richtung Osttor und fragte den “Wächter” am Hockeystadion, der mich Richtung besagter Hanns-Braun-Straße schickte. Also trottete ich zurück und traf auf einen weiblichen Hertha-Fan, der verkündete, das dort niemand durchgelassen wurde.

Also ging ich mit ihr wieder in die andere Richtung und wir versuchten zusammen mit zwei Leipzig-Fans (die ich erst nicht verstand, schwöre!) durch den nahegelegenen Eingang am Gästeblock ins Stadion zu kommen. Ein überfürsorglicher Polizist ließ das aber nicht zu, obwohl VOR dem Spiel ja alles noch friedlich war. Der Herr Bulle (der wirklich nett war, das muss ich ja jetzt dann auch mal zugeben) ließ sich aber nicht erweichen, also mussten wir einmal um das gesamte Olympiagelände herumlaufen, was vor allem deshalb blöd war, weil es kurz vor 13:30 Uhr war - Anstoßzeit. Ich fühlte mich an Bielefeld erinnert, wo wir auch auf Irrwegen zum Gästeblock geschickt wurden (weil wir uns aus Kostengründen in die Cottbus-Ecke schmuggeln wollten) und erst kurz vor Halbzeitpfiff ankamen.

Aber die kennengelernte Angelika und ich trafen unterwegs auf einen Union-Fan, der aus seinem Auto stieg, und dem wir glaubhaft einreden konnten, dass es noch viel zu weit wäre und er doch bitte wieder einsteigen und uns bis zum Eingang am Maifeld mitnehmen möge. Er tat es (Danke! Und was blieb ihm gegen diese weibliche Übermacht auch übrig?) und ein Parkplatz war auch noch da. Perfekt!

Wir Hertha-Dauerkartenbesitzer kamen zwar gratis rein, mussten aber trotzdem noch

ne Extrawurst

ein Extraticket erhalten. Auch gratis natürlich. Jedenfalls waren wir mit Union-Unterstützung fast pünktlich.

Amateurstadion im Olympiapark

Als ich bei “meinen” Leuten ankam, die extra aus Perleberg angereist waren (vom Fanclub Blue Crew Perleberg), stand es noch 0:0, und so sollte es während der gesamten ersten Halbzeit bleiben. Das spannende Spiel, das ich erwartet hatte, war eher ein laues Lüftchen. Anfangs machte Hertha Druck, dann Lok, und kurz dachten wir, der Ball wäre im Herthator gelandet, aber zum Glück sind wir ähnlich blind wie sonst nur die Schiris.

Außerdem war es echt ungewohnt, so nah am Spielfeld zu sitzen. Das hatte ich nur früher, als ich meinen Liebsten zu seinen Spielen begleitet hatte. Und 2011 beim Uhrencup in Grenchen / CH, wo wir zum Herthaspiel waren.

Die Brut hatte keine Lust gehabt mitzukommen und hat das Spiel in der Konferenz beim mdr verfolgt. K4 schickte mir dann diesen “Screenshot” vom TV:

Petra bei Hertha II vs Lok Leipzig

Nach der Pause ging es für meinen Geschmack relativ unspektakulär weiter, jedenfalls haben mich beide Mannnschaften nicht so recht vom Hocker gerissen. Highlight in der 53. Minute: Ein Tor für Hertha! Als ich zu Hause gegoogelt habe, um euch mitteilen zu können, wer denn der Torschütze war, landete ich bei der Livebrichterstattung von Immer Hertha und guckte überrascht, weil ich dort einen Tweet von mir vorfand. Danke nach drüben :-)

Und natürlich die Info: Das Tor hat Kevin Stephan geschossen.

Für Lok ging es danach nun wirklich um die Wurst. Die Fans wurden unruhig und mehr Ordner bauten sich am Spielfeldrand auf der Seite der Gästefans auf. Für den Klassenerhalt mussten sie nun zwei Tore schießen. Wie so oft, tat dasTor dem Spiel gut, und es wurde deutlich interessanter. Tatsächlich klingelte es im Herthator, als Patrick Grandner in der 76. Minute den Ausgleich für Lok Leipzig schoss.

Als zehn Minuten später immer noch kein Siegtreffer für Lok erzielt wurde, wurden die Lok-Fans sauer, warfen Gegenstände und schließlich ein Bengalo in den Hertha-Strafraum. Ich habe nichts gegen Pyro, aber ich finde es nicht witzig, wenn Menschen damit beworfen werden. Und auf dem Spielfeld hat das Zeug eh nichts verloren. Ein beherzter Eingreifer beförderte das brennende Ding schließlich an den Spielfeldrand.

Dann passierte zunächst nicht viel, außer dass die Gästefans immer unruhiger wurden. Die 90. Minute verstrich, und ich bekam den Eindruck, dass der Schiri Angst hatte, das Spiel abzupfeifen, um sich nicht den Zorn der gegnerischen Fans zuzuziehen. Geschlagene sechs Minuten ließ er nachspielen, obwohl die Uhr zwischendrin angehalten worden war. Aber dann war Schluss, Hertha, Babelsberg und Meuselwitz haben sich den Klassenerhalt gesichert. Lok Leipzig ist zusammen mit Optik Rathenow in die Bedeutungslosigkeit abgestiegen.

Das wurde denen dann anscheinend auch klar, denn es gab einen Platzsturm, der aber - nachdem die Polizei das dann endlich bemerkte, aber bald unterbunden wurde.

Platzsturm der Gästefans

Ich musste anschließend den Lok-Fans gezwungenermaßen versichern, dass sie in der nächsten Saison wieder aufsteigen würden. Denn ich hatte ja - ihr erinnert euch? - auf dem Olympischen Platz geparkt. Quel Malheur! Denn der war komplett von Leipzig-Fans bevölkert, was ich vorher nicht bemerkt hatte. Da die Gästefans bei Bundesligaspielen immer an der Jesse-Owens-Allee parken müssen, hatte ich darüber überhaupt nicht nachgedacht. Und da ich keine Lust hatte auszuprobieren, ob die Hanns-Braun-Straße denn wenigstens nach Spielende freigegeben war, bin ich den ganzen Weg um das Olympiagelände zurückgelaufen. Immer schön mitten durch die Gästefans, juchhu. So oft bin ich in den letzten zwanzig Jahren nicht “Mäuschen” oder “Puppe” genannt worden. Bzw. “Bubbe”. “Du läbst göfäorlisch, Bubbe!” Ja, schönen Dank auch.

Aber das waren die harmlosen Fans und die Bullentanker standen nebendran. Auf dem Olympischen Platz standen die anderen Fans. Die, die noch am Auto den Abstieg mit Bier begossen und sich von mir provoziert fühlten, wie sie lautstark verkündeten. Sie wollten meinen Schal oder lieber noch meine Brille und als der erste sich vor meinem Auto aufbaute, zog ich es vor, den Rückwärtsgang einzulegen, an dem Kerl vorbeizufahren und den Platz schnellstmöglich zu verlassen,bevor die anderen sich dazugesellen konnten. Kurz: Ich gab Vollgas. Sowas muss ich mir echt nicht geben.

So hatte ein Spiel, das bei bestem Wetter viel Potenzial für Spannung gegeben hätte, die Spannung auf den Parkplatz verlagert. Schade eigentlich. Aber vielleicht komme ich in der nächsten Saison trotzdem öfter mal. Jetzt weiß ich ja, wo ich parken muss.

Herzlichen Glückwunsch an die U23 von Hertha!

Alles Liebe und #hahohe
Petra

P.S: Offenbar gab es nach Spielende noch einige andere unschöne Szenen:

Wobei auch die Perleberger und ich sich schon gewundert hatten, WARUM von der offiziellen Fanszene eigentlich niemand da war, um die U2 zu unterstützen, wo das so ein wichtiges Spiel war.